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Die wesentlichen Theorien des Kriminalromans stammen fast alle aus Amerika und England, in der Literatur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass das Genre auf eine Erzählung von Edgar Allan Poe zurückgeht: „Die Morde in der Rue Morgue", 1841 veröffentlicht. Hier wurde zum ersten Mal ein rätselhaftes Ver-brechen vorgestellt und dessen Lösung durch einen Polizei-Detektiv als Handlung beschrieben, damit zugleich eine Reaktion des Lesers erprobt, die das Maß intel-lektueller Befriedigung an Darstellung und Lösung des Problems zum Grad-messer des Unterhaltungs-erlebnisses macht.
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Indem Poe den Fall als komplizierte Konstellation von scheinbar Unmöglichem komponierte, legte er den Sockel für Konstruktionsprinzipien von Kriminalhandlungen, die bis in unsere Zeit gelten. Im Grunde geht es im Kriminalroman darum, ein Rätsel zu erfinden und zu erklären - denn die Natur des Rätsels sei es, „einen einfachen Sachverhalt in schwierige, missverständliche oder mehrdeutige Formen zu kleiden" (Georg Seeßlen). Über die anderthalb Jahrhunderte seiner Existenz hat der Kriminalroman nicht nur diverse thematische Variationen entwickelt, sondern auch eine Art Ehrenkodex. So erließ der englische Priester und Krimiautor Ronald Arbuthnott Knox 1928 zehn Gebote des Fair Play, die der Erzähler von Kriminalgeschichten gegenüber seinem Leser zu wahren habe: Der Täter müsse im Lauf der Handlung zu erkennen sein. Übernatürliches, auch Zufall sei als Lösung nicht zulässig, und der Detektiv selbst dürfe das Verbrechen nicht begangen haben. Gegen dieses Gebot freilich ist seitdem häufig verstoßen worden - nicht immer zum Schlechtesten der jeweiligen Geschichte. Auch der ebenfalls 1928 gegründete Londoner Detection Club, eine Vereinigung von Krimiautoren, verlangte von seinen Mitgliedern, einen Eid darauf zu schwören, dass ihre Detektive „wahr und wahrhaftig die Verbrechen aufdecken, die ihnen präsentiert werden" - ohne „göttliche Offenbarung, weibliche Intuition, Popanze, faulen Zauber, Zufälle oder einen Deus ex machina". Der Krimi also als Bestandteil des Lebens und zugleich als Vorstellungsraum einer intellektuellen Alltagsüberhöhung, wie E. T. Guymon jr. ihn beschrieb: .„Mystery ficition' ist die größte 'Fluchtliteratur' aller Zeiten. Flucht wovor? Nun, vor der Realität der Probleme. Wir alle sind Lehnstuhl-Detektive, und in der Sicherheit des Lehnstuhls können wir uns mit den Charakteren des Buchs identifizieren und uns freuen am Verbrechen, am Geheimnis, an der Gefahr, an der Verfolgung und - besonders wichtig - am Gedankenspiel, an der geistigen Auseinandersetzung und an der Lösung." |
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